Ab in den Sueden!

Soo.... Nach längerer Sendepause (kein Internet) melde ich mich jetzt mal wieder mit einem kleinen Überblick über die letzten zwei Wochen.

Am 1. Dezember hat mich mein Weg in den hohen Norden geführt, nach Letterkenny um genau zu sein.
In Letterkenny wurde ich von meinem Host für die nächsten paar Wochen abgeholt, Madeleine. Auf dem Weg zu ihrem Haus haben wir uns ein wenig über Pferde, Natural Horsemanship und Parelli unterhalten, schon allein auf der Fahrt habe ich einige neue Dinge gelernt.

Als wir auf den kleinen Weg eingebogen sind, der zu ihrem Haus führt, ist mir erstmal aufgefallen: Wow.... Hier ist ja wirklich.... nichts.
Vereinzelte Häuser, die sich in die nebligen Hügel Donegals schmiegen und von der Straße kaum sichtbar sind, dichte Nadelwälder, die fast schon an Kanada erinnern und natürlich Schafe überall. Ich habe mich sofort wohl gefühlt.
Nach dem lebendigen Nachtleben Galways ist die absolute Einöde zwar eine ziemliche Umstellung, aber keineswegs eine negative.
Sobald der Motor ausgeschaltet ist, kommen von überall her Katzen gelaufen. Und zwar wirklich von überall. Neun. Neun verdammte Katzen. Sieben davon schwarz, zwei getigerte. Zum Glück bin ich kein Allergiker..
Allerdings handelt es sich bei den Katzen keineswegs um verwöhnte Stubentiger, im Gegenteil. Sie leben außerhalb des Hauses, jagen sich ihr eigenes Futter und meine zerkratzten Hände sind ein Beweis dafür, dass sie es nicht gerade mögen, aus dem Haus geworfen zu werden sollten sie sich reingeschlichen haben.
Im Haus wurden wir dann von drei jungen Katzen begrüßt, die noch ihre Zeit vor dem Kaminfeuer mit regelmäßigem Essen und Milch genießen dürfen. Eine graue, eine grau-weiße und eine schwarz-weiße Katze, eine frecher als die andere, aber jede einzelner liebenswert auf ihre Weise.
Während meines Aufenthaltes sind sie immer zutraulicher geworden, haben auf meiner Schulter geschlafen und mir ins Ohr geschnurrt während ich vor dem Kaminfeuer Artikel über Parelli gelesen habe.

Mein Zimmer war gemütlich, mit eigenem Badezimmer und einem riesigen, quietschenden Bett.
"Wenn das Feuer an ist, müsstest du sogar warmes Wasser haben"
Ups. Naja, meistens war es wirklich so ^^
Überhaupt musste ich mich erstmal von den Annehmlichkeiten der Zivilisation verabschieden. Leitungswasser? Gelblich und nicht trinkbar. Warmes Wasser? Nur wenn das Feuer an ist. Heizung? Nur wenn das Feuer an ist. Feuer? Erstmal Kohle holen. Feuer an heißt das Haus ist direkt warm? Vergiss es.
Aber es war wunderschön und hat mich eigentlich nicht wirklich gestört. Frei nach dem Motto: Wenn schon Einöde, dann aber richtig.

Jetzt aber zum wichtigsten: Die Pferde.
Vier an der Zahl. Ein Dreijähriges Palomino Pony namens Dana, ein wenig schreckhaft und unsicher, wollte aber immer Alpha spielen.
Die zweijährige Rapp-Ponystute Epona. Immer frech, versucht immer ein Stück Ärmel zwischen die Zähne zu kriegen. Sie ist eine Waise, was dazu geführt hat, dass sie nie das fohlentypische Saugen aufgehört hat, was durchaus putzig aussieht, wenn sie versucht die anderen Pferde "anzusaugen".
Die etwa zehnjährige Fuchsstute Maverick war zu Beginn extrem aggressiv. Sie wurde nie sozialisiert, hat sich also aus der Rangordnung größtenteils rausgehalten und stand immer abseits der Herde. Madeleine hat ganze Arbeit mit ihr geleistet, sie ist zwar nicht vertrauensseelig, aber von der ursprünglichen Aggressivität ist nichts mehr zu sehen. Ich hatte einige wahnsinnig tolle Momente mit ihr.
Und zuletzt noch der "Big Boss". Sein Name ist ursrpünglich gälisch und ich habe keine Ahnung, wie man ihn schreibt, aber gesprochen wird es "Iwai". 17 Jahre alt, Brauner und unangefochtener Alpha der Herde. Ein großartiger Lehrer, man kann sich sicher sein, dass man es sofort merkt, wenn man nicht dominant genug ist :D. Er hat mir auf jeden Fall viel beigebracht.

Ich habe in der Zeit so viel gelernt, dass es unmöglich ist, alles hier zusammen zu fassen. Ich habe mich weiterentwickelt, ich habe mich verändert. Ich habe viel über Pferde, Natural Horsemanship, mich selbst und über das Leben allgemein gelernt.
Es gab Höhen und Tiefen, schwere und leichte Momente, Zeiten des Höhenflugs und Abstürze. Aber am Ende bin ich mit dem Gefühl gegangen, etwas verdammt wertvolles gewonnen zu haben.

Ich werde sie alle vermissen. Die Katzenbabys, die ich am liebsten mit nach Hause genommen hätte (Wie mir auch mehrfach angeboten wurde :D). Die Katzen außerhalb des Hauses, die sich einfach immer wieder reingeschlichen haben und mich beim ausmisten begleitet haben. Madeleine und unsere abendlichen Gespräche. Madeleines Sohn, der ein fantastische Koch und herrlich sarkastisch ist. Die Pferde, die mir so viel beigebracht und so viele schöne Momente geschenkt haben. Die Abende, an denen ich im Bett lag und auf dem tragbaren DVD Player Parelli DVDs und Pferdefilme angeschaut habe. Die absolute Abgeschiedenheit von der Zivilisation, die einem tiefe Einblicke in einen selbst gewährt.
Ich werde all das vermissen, aber ich denke mir: It's better to be sad to leave then to be glad to leave.

Ich sitze gerade in Dublin im Hostel, hatte schon wieder ein sehr nettes Gespräch mit einem Franzosen, habe jemanden aus dem Hostel in Galway wieder getroffen und beginne, mich wieder an die Zivilisation zu gewöhnen. Und doch... und doch wird mir die Zeit der Abgeschiedenheit fehlen.

Auf dem Rückweg nach Dublin ist im Bus ein Lied gelaufen, und eine Zeile dieses Liedes hat mir etwas klar gemacht:
Ich lebe gerade die "gute alte Zeit". In zehn Jahren werde ich zurück schauen und mir denken "Wie schön war das Leben damals".
Und allein deswegen will ich das beste aus meiner Zeit hier machen. Wie heißt es so schön?
"The best thing about memories is making them"

 

Those will be the days that I'll be missing.

17.12.14 17:25

Letzte Einträge: Es geht los..., Der Weg ist das Ziel..., Sendepause..., On the road again, Sendepause, klappe die zweite

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